Rede zum Neujahrsempfang

Sehr geehrte Damen und Herren,

die soeben besungene kleine Stadt, über die ich berichten möchte ist, natürlich unverkennbar, Münstermaifeld!

Unsere Stadt, die uns am Herzen liegt, unsere Stadt mit historischem Charme, unsere Stadt, die wir mögen.
Die Stadt in der wir herangewachsen sind oder auch unsere Kinder oder heranwachsen werden. Wir alle fühlen uns hier wohl, wir alle wollen hier leben, wir alle kennen aber auch „Licht und Schatten von Münstermaifeld“.
Wir sind aufgerufen, mitzumachen: unsere Stadt zu erhalten, sie weiterzuentwickeln! Sowohl die Zukunft der Stadt als auch unsere eigene Zukunft in die Hand zu nehmen und gemeinsam zu gestalten!

„Eine kleine Stadt geht müde schlafen, macht die vielen Fensteraugen zu….
Eine kleine Stadt geht müde schlafen, in den Straßen wird es langsam ruh…"

So heißt es im Text des Liedes, dass wir gehört haben. Als erstes möchte ich Sie einladen, gemeinsam einen Blick in die Zukunft zu werfen, die uns nach aller Voraussicht erwarten wird, wenn wir alles laufen so lassen wie es sich ergibt.
Wenn wir nicht gegensteuern und den Auswirkungen des demographischen Wandels und der Einschränkungen knapper Kassen und der schwierigen Haushaltssituation von Münstermaifeld nichts entgegensetzen.

Demographie und demographischer Wandel sind Schlagworte, die die rückläufige Entwicklung der Bevölkerung und deren Überalterung beschreiben.
Demographie bedeutet auch den Ortswechsel der schrumpfenden jüngeren Bevölkerung durch Zuzug oder Wegzug: Kriterium für deren Ortswahl wird u.a. Familienfreundlichkeit sein!
Es wird also in Summe immer weniger Einwohner in den Städten Deutschlands und Mitteleuropas geben. Wobei der Anteil älterer Menschen gegenüber den jüngeren deutlich zunehmen wird. Die Bertelsmann Stiftung, die sich sehr intensiv mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesellschaft, Kommunen und auch auf die Menschen beschäftigt, spricht von einer „Altenrepublik Deutschland“. Was bedeutet das konkret? Wie sind wir betroffen?

Altersgruppen 31.12. 2009, 3595 Personen
Bis neun Jahre: 316 Kinder: 9,12 %
40 – 49 Jahre: 638: 18,42 %
50 – 59 Jahre: 562: 16,22 %,
d.h. mehr als 56% unserer Einwohner über 40 J.!!

Bis 2020 wird der Anteil der unter 20 jährigen in unserer VG um 6,5% abnehmen.


Als Auswirkungen dieser veränderten Bevölkerungsstruktur verändern sich ebenfalls die Bedürfnisse der hier lebenden Menschen.

Angebote für ältere Menschen werden zunehmend eine Rolle spielen, barrierefreies Wohnen und auch eine gute Mobilität in unseren Straßen wird immer wichtiger, Versorgungsstrukturen wie haushaltsnahe Dienstleistungen, Einkaufen, Gartenpflege und Krankenbetreuung werden immer mehr Bedeutung haben.
Wir werden uns als Kommune mit diesen Fragestellungen auseinandersetzen müssen und das schon bald, nämlich jetzt!

„Warum jetzt?“ weil wir keine Zeit zu verlieren haben, bereits jetzt haben wir umfängliche Leerstände von Häusern und Wohnungen in unseren Ortsbezirken und unserem Altstadtbereich, bereits jetzt ist der Spaziergang durch die Ober- und Untertorstraße ein Spießrutenlauf durch den fließenden Verkehr.

Andererseits buhlen bereits jetzt Städte und Gemeinden um Neubürger, bereits jetzt gilt es Konzepte für ein attraktives Leben und Wohnen in Münstermaifeld, familienfreundlich, für Jung und Alt zu erarbeiten und umzusetzen.



„Fromme Wünsche sind das, die unser Stadtbürgermeister hier äußert“ das werde viele von Ihnen jetzt denken und vielleicht auch sagen.

Denn jeder von uns weiß, wie es um unseren Haushalt um unsere finanziellen Mittel bestellt ist. Für die, denen die Zahlen nicht so präsent sind nochmals folgender Sachstand. Die Stadt Münstermaifeld verfügt mit einer Gesamtverschuldung von rund 9,1 Mio. € über eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2.531,00 €.

Das ist schlimm! Das macht Sorge! Da müssen wir ran!

Zudem ergibst sich ein Minusbetrag aus unserem laufenden Haushalt.
Als Differenz aus unseren Einnahmen ergibt sich – wenn alles so bleibt, wie es ist- jedes Jahr aufs Neue ein Minusbetrag von rund 500.000 bis 800.000 €!!
Jedes Jahr muss dieser durch weitere Kredite finanziert werden.
Dies beraubt uns sämtlicher finanzieller Möglichkeiten für Investitionen in die Zukunft. Diese Investitionen sind aber äußerst wichtig!!

Das ist schlimm! Das macht Sorge! Hier müssen wir ran!

Ein solches Problem kann man nur gemeinsam lösen; nicht nur der Rat, nicht nur in den Gremien, sondern mit und durch die Bürger, mit und durch Sie!
Wir müssen alles daran setzen, laufende Ausgaben zu senken und möglichst die Einnahmen der Stadt zu erhöhen!
Und dabei wollen und müssen wir dennoch möglichst attraktiv für Gäste und Bewohner sein!

„Eine kleine Stadt geht müde schlafen…, legt sich lang, besinnt was so gewesen"

Ja was war gewesen?
1277 hatten wir erstmals die Stadtrechte, seit 1322 haben wir die Stiftskirche in der jetzigen Gestalt.
Münstermaifeld verfügt über ein einzigartiges mittelalterliches Stadtbild mit erkennbarer Straßenführung und entsprechenden Gebäuden. Wehrturm, Pulverturm, Stadtmauer und kurfürstliche Häuser zieren unsere Stadt und machen uns stolz auf unsere Geschichte.
Nun wurden auch noch bei den Sanierungsarbeiten des Münsterplatzes einzigartige archäologische Funde freigelegt, die nicht nur in Expertenkreisen für Aufsehen gesorgt haben.

Ein fast unbeschädigtes Gräberfeld gibt Exponate frei, die bis ins 4. Jahrhundert zurückreichen und die soziale, wirtschaftliche und kulturelle, auch ehemalige politische Bedeutung von Münstermaifeld über Jahrhunderte hinweg verdeutlichen.
Bei uns lebten Kelten, Römer, Franken.
Im Mittelalter war Münstermaifeld neben Trier und Koblenz zeitweilig die bedeutendste Stadt des Erzbistums Trier.
Nun leben wir hier und treten dieses bedeutende Erbe an. Ein Erbe ist manchmal Fluch und manchesmal Segen.
Wie sehen wir unser Erbe? Wird es als Erbe erkannt, und wird dieses Erbe von uns auch angetreten?
Erkennen wir hier Chancen? Nutzen wir sie? Was hindert uns daran, mehr daraus zu machen?

An dieser Stelle weise ich gerne darauf hin: Münstermaifeld hat das Fremdenverkehrsprädikat Fremdenverkehrsort!

"Eine kleine Stadt geht müde schlafen…,abends geht ein Traum auf Reisen, fliegt hinauf zum Himmelszelt"

Das Lied spricht von einem Traum, der so groß ist, dass er zum Himmelszelt fliegt, zu den Sternen, die Orientierung geben. Was gibt uns Orientierung? Wer hat welche Vorstellung von einem Münstermaifeld in 5, 10 oder 20 Jahren?

Was wäre mein Traum, meine Zukunftsvorstellung von Münstermaifeld, wenn Sie mir das Träumen an dieser Stelle erlauben würden.
Ich sähe ein Münstermaifeld vor mir, das ein attraktives Wohnangebot für die junge Familien und Senioren bietet.

Eine Stadt darauf vereinbart, ihre Geschichte als Chance zu sehen, um einen moderaten Tourismus und kleinere Geschäfte zu unterhalten.
Einen Ort mit einer lebendigen Altstadt, die für alle Mitbürger ein Gewinn ist!

Der Wohnwert von Münstermaifeld wird von allen Bürgern geschätzt und durch aktives Mitmachen in Bürgerprojekten und gesellschaftlichen Engagement untermauert.
Unsere Haushaltslage ist ausgeglichen und erlaubt Investitionen in bedarfsorientierte und gemeinsam getragene Fördermaßnahmen.

Wie wäre ihr Traum? Könnten wir es schaffen, einen gemeinsamen Traum, eine gemeinsame Vision als Orientierung für weitere Entscheidungen zu entwickeln? Ich glaube schon! Wie sehen Sie die Möglichkeiten?

Lassen Sie mich abschließen zu folgendem Fazit gelangen:

1. Münstermaifeld hat mit dem demographischen Wandel, mit den strukturellen Nachteilen, mit der Haushaltsituation natürlich sehr schwere Herausforderungen zu bewältigen.
2. Münstermaifeld hat aber auch deutliche Chancen und Stärken. Ein städtebauliches und kulturelles Erbe, das durchaus wirtschaftliche Chancen bietet. Wir verfügen über Freizeiteinrichtungen, Schulen, Sportstätten, vielfältige Vereine, Kindergärten, Senioreneinrichtung und dies in einem landschaftlich attraktiven Umfeld: einer Urlaubsregion!
3. Die Parteien, Gruppierungen und politische Gremien stehen trotz aller Diskussionen für Münstermaifeld und Ortsbezirke zusammen.
Gemeinsam wird man sich auf Maßnahmenpakete verständigen können, die uns allen weiterhelfen. Hier besteht die Bereitschaft und auch die Möglichkeit ein gemeinsam getragenes Programm Zukunft zu gestalten. Ich werde meinen Teil dazu beitragen. Und positive Signale hierzu gibt es auch aus den Fraktionen.

Nun lassen Sie uns gemeinsam ein Programm für unsere Zukunft gestalten und auch durchführen!
Das bedeutet:

1. Wir werden alle Haushaltspositionen konsequent auf den Prüfstand stellen, um Kosten zu senken und Einnahmen zu erhöhen.
2. Wir werden gemeinsam mit allen Fraktionen, Gruppierung und auch Bürgern darüber beraten, wie wir Initiativen zur Belebung der Altstadt, Erhöhung der Attraktivität von Münstermaifeld und zur Bewahrung des kulturellen Erbes entwickeln können.
3. Es gilt die notwendigen Arbeits- und Beteiligungsstrukturen zu erarbeiten, die es erlauben, dass wir gemeinsam die Ziele unserer Stadt gut erreichen und wir effizient arbeiten können.


Antoine de Saint Exuperie sagte einmal:
„Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas zukünftiges legen… denn Zukunft kann man bauen!“

Bauen wir diese Zusammen!

Danke für Ihre wertgeschätzte Aufmerksamkeit…

Montag, 30. März 2020

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